20.10.2012 Posted by Webmaster

Pastoralreferentin Hildegard Schmidt

Seit August 2010 bin ich hier in Scheveningen als Pastoralreferentin tätig. An dieser Stelle möchte ich mich Ihnen nun vorstellen.

Aufgewachsen bin ich in Aachen in einer "selbstverständlich" religiösen Familie. Es wurde morgens und abends und zu den Mahlzeiten gebetet, und sonntags ging man in die Kirche. Mir schien es immer als Selbstverständlichkeit, ich hatte keine kritische Nachfrage. Meine Eltern, insbesondere meine Mutter, hatten die Gabe, uns zu vermitteln, dass der Glaube an Gott wichtig und unverzichtbar sei, ohne es eigens zu verbalisieren. Im Laufe meiner Schulzeit wuchs mein Interesse an Religion und Theologie, aber auch meine Zweifel und Kritik wuchsen. Mein Vater träumte von einer gehobenen Banklaufbahn für mich, und ich wusste eines ganz bestimmt, dass dies weder für mich noch für die Bank gut sei. Über meine Religionslehrerin hörte ich vom Studiengang der Religionspädagogik und Kirchlichen Bildungsarbeit an der Kath. Universität Eichstätt. Was auch immer mich wirklich bewogen hat, mich dort zu bewerben, weiß ich nicht und wusste ich damals auch nicht. In meiner Heimatgemeinde St. Gregorius war der Künstlerpriester Herbert Falken damals Kaplan. Er berührte mit seinen Predigten und Stellungnahmen zu tiefst meine Seele. Vielleicht war es das, oder auch so etwas wie Berufung?

Mutig (was ich sonst gar nicht war) bewarb ich mich dort, ohne das Wissen meiner Eltern. Ich wurde angenommen, und meine Eltern trugen es mit Fassung. Das Studium hat mich zwar im Anfang in große Glaubenszweifel geworfen, aber gerade diese Zweifel brachten mich dahin, weiterzumachen und dem, was Jesus in seiner Botschaft weitergeben wollte, nachzugehen. Nach meinem Abschluss als Dipl. Rel. Päd. 1977 begann ich meine Arbeit in einer Aachener Innenstadtgemeinde und einer Grund- und Hauptschule. Dieser Berufsstand war damals erst 2 Jahre alt, und eigentlich wusste niemand, was ich eigentlich war; man erfand das Wort "Kaplanesse", was mich aber nicht sehr erfreute. Ich sah meine Aufgabe darin, vor allem Kinder und Jugendliche für die Sache Jesu zu begeistern und nicht, mich mit Amtsinhabern zu messen. 1993-97 habe ich, weil es mich eben so reizte, noch tiefer in die Theologie zu schauen, berufsbegleitend an der Friedrich-Wilhelm-Universität in Bonn Theologie studiert. Enttäuscht war ich immer von dem Konkurrenzkampf zwischen den Laienberufen Gemeinde- und Pastoralreferenten und auch zwischen ihnen und den Klerikern. Wir arbeiten gemeinsam an einer Sache, dem Aufbau des Reiches Gottes, und sehen uns oftmals in Konkurrenz zueinander! Vieles kann man an der Kirche kritisieren, obwohl viel Gutes oft übersehen wird, aber ich denke, es ist einfach wichtig, religiöse Werte, authentisches Handeln und Glauben weiterzugeben, deshalb tue ich diesen Dienst in dieser Kirche, denn nirgendwo sonst habe ich so die Möglichkeit. Höhepunkte meines beruflichen Lebens sind immer dann, wenn ich merke, dass die kleinen Samenkörnchen, die ich versucht habe zu legen, doch ganz langsam anfangen zu keimen, wenn ich erlebe, dass Glaube lebt.

1999 habe ich dann den Dienst im Ausland aufgenommen und ging mit meinem damals 17jährigen Sohn Thomas in die deutschsprachige Michaelsgemeinde Tokyo. Dort habe ich in der Gemeindearbeit, in der Funktion als Beratungslehrerin und in 14 Wochenstunden von Klasse 1 bis 13 an der Deutschen Schule Tokyo Yokohama versucht, Glauben zu leben und weiter zu geben. Nach elf wunderbaren Jahren in einer völlig anderen Kultur bin ich jetzt sehr froh, hier in Den Haag zu sein und meinem Kulturkreis wieder näher zu kommen. Ich freue mich, mit Ihnen und Euch hier in der Rafaelsgemeinde immer wieder ein Fest des Glaubens zu feiern, zu suchen, zu hoffen und Gemeinschaft zu erleben.

Hildegard Schmidt